Susanne Potma

Depression und Angst: Wie du mit deinem Körper lernen kannst, alte Muster loszulassen

Jeder Mensch kennt Phasen im Leben, in denen er sich ängstlich, niedergeschlagen oder völlig energielos fühlt. Das ist menschlich. Bis es jedoch zu einer Diagnose wie einer Depression oder einer Angststörung kommt, geht meist eine lange Vorgeschichte voraus. Es ist ein schleichender Prozess: Stress, ständige Überforderung oder ungelöste Situationen stauen sich über einen langen Zeitraum an.

Während sich diese Belastungen verdichten, reagieren wir nicht nur mental und emotional. Unser physischer Körper ist untrennbar mit diesen Prozessen verbunden und reagiert unweigerlich mit. Sehen wir uns genauer an, was im Alltag passiert, wenn sich Angst und Schwere manifestieren – und welche Rolle Körperarbeit spielen kann, diesen Zuständen auf einer greifbaren, physischen Ebene zu begegnen.

Was bedeuten Depression und Angst im Alltag?

Aus psychologischer Sicht ist Angst oft mit einem Zustand ständiger Alarmbereitschaft verbunden. Biologisch betrachtet springt das sympathische Nervensystem an und schaltet auf den „Kampf-oder-Flucht“-Modus – der Körper verhält sich, als müsse er einer akuten, lebensbedrohlichen Gefahr ausweichen. Im Alltag zeigt sich dies als eine Variation von rasenden Gedanken, abendlichem Sorgenkarussell, zu flacher oder zu schneller Atmung und permanenter innerer Unruhe. Man fühlt sich getrieben, schreckhaft und steht unter Dauerstrom.

Eine Depression fühlt sich oft wie das absolute Gegenteil an: ein innerer Rückzug oder ein „Einfrieren“ des gesamten Systems. Auch hierbei handelt es sich um ein uraltes biologisches Schutzprogramm. Bei anhaltender, scheinbar auswegloser Überlastung fährt der Organismus herunter, um Energie zu sparen. Es entsteht eine bleierne Schwere. Alltägliche Aufgaben kosten auf einmal enorm viel Kraft, man fühlt sich emotional taub, abgekoppelt und chronisch erschöpft.

Beide Zustände sind im Kern natürliche, wenn auch extrem kräftezehrende biologische Reaktionen auf anhaltende Überlastung. Und sie manifestieren sich tief in unserem Körper.

Wie reagiert der Körper auf Angstzustände und depressive Verstimmungen?

Der Körper versucht bestmöglich, uns durch belastende Phasen zu navigieren. Bei Angst ziehen wir oft unbewusst die Schultern hoch, die Atmung wird flach und beschleunigt sich, der Kiefer verspannt und der Brustkorb zieht sich zusammen. Der Körper rüstet sich physisch für die Gefahr.

Bei einer depressiven Verstimmung passiert oft das Gegenteil: Der Körper sinkt in sich zusammen. Die Schultern fallen nach vorne, der Blick senkt sich, die Atmung wird minimal.

Das zentrale Problem: Wiederholen wir diese körperlichen Reaktionen während der langen Vorgeschichte einer Erkrankung über Monate oder Jahre hinweg, passt sich unser Gehirn an. Das Nervensystem speichert diese muskuläre Daueranspannung oder Haltung als neuen „Normalzustand“ ab und blendet die Warnsignale der Muskeln irgendwann aus. Unser Körper verlernt schlichtweg, wie es sich anfühlt, entspannt, durchlässig und offen zu sein. Wir haben das bewusste Loslassen verlernt oder spüren die Anspannung im Alltag gar nicht mehr und können darum auch selbst nicht dagegen wirken. Genau hier setzt die Grinberg Methode an.

Wie funktioniert die Grinberg Methode bei diesen Mustern?

Die Grinberg Methode ist ein direkter, strukturierter Lernprozess durch den Körper. Es geht nicht darum die Vergangenheit zu analysieren, sondern um das Hier und Jetzt: um die konkrete Arbeit mit dem Nervensystem und dem physischen Körper.

Durch gezielte Berührung, Atmung und verbale Anleitung zeige ich dir in der Körperarbeit, wo du unbewusst festhältst. Du trainierst, deine Aufmerksamkeit präzise auf diese körperlichen Anspannungsmuster zu richten und sie überhaupt wieder wahrzunehmen. Der nächste Schritt ist dann möglich: dass du lernst, diese Anstrengung aktiv zu stoppen.

Wenn du aufhörst, deine Lebensenergie in alte, schützende Haltungsmuster zu investieren, wird diese Energie wieder frei. Du lernst, tief durchzuatmen, Stabilität zu spüren und präsenter im eigenen Körper zu sein.

Die Grinberg Methode® ist eine Methodik des Lehrens und Lernens durch den Körper. Sie ist ausdrücklich KEINE medizinische Behandlung oder Psychotherapie und heilt keine Krankheiten.

Wie Körperarbeit eine Psychotherapie sinnvoll begleiten kann

Mir ist Transparenz wichtig: Da jede Lebensgeschichte anders verläuft, kann und möchte ich keine Heilversprechen oder Erfolgsgarantien abgeben. Wie wirksam die Sitzungen für dich sind, hängt von individuellen Faktoren ab – etwa deiner persönlichen Vorgeschichte, der aktuellen Kapazität deines Nervensystems und deiner Entscheidung, dich auf diesen körperlichen Lernprozess einzulassen.

Die Erfahrung zeigt jedoch, wie entlastend dieser Weg sein kann. Die Grinberg Methode ist eine wirksame Möglichkeit, präventiv für sich zu sorgen und bestehende Belastungen zu mildern. Wenn du lernst, Stress im Körper rechtzeitig wahrzunehmen und zu stoppen, bevor das System in die Überforderung geht, gewinnst du spürbar an Lebensqualität und Handlungsspielraum zurück.

Ein Zusammenspiel zweier Ebenen

Du kannst die Sitzungen als Begleitung zu einer laufenden Psychotherapie verwenden. Dann arbeitet du auf mehreren Ebenen gleichzeitig:

  • In der Therapie arbeitest du an mentalen Zusammenhängen und deinen Emotionen.
  • In der Körperarbeit konzentrieren wir uns auf dein physisches Fundament. Wir arbeiten daran, die Klarheit, die du im Gespräch gewonnen hast, auch körperlich spürbar und im Alltag abrufbar zu machen.

Gemeinsam arbeiten wir an den Haltungsmustern und körperlichen Zuständen, in denen sich Belastungen über die Zeit festgesetzt haben. Es ist meine Erfahrung, dass es wesentlich leichter fällt, mental neue Wege zu gehen, wenn auch mit dem Körper „gesprochen“ wird und so auch dein Körper nicht mehr in alten Angst- oder Erschöpfungsmustern verharrt, sondern wieder lernt, durchlässig und präsent zu sein.

Es ist meine Erfahrung, dass es wesentlich leichter fällt, mental neue Wege zu gehen, wenn wir den Körper aktiv in diesen Prozess einbeziehen. Wenn wir dem Körper erlauben, die altbekannten Angst- oder Erschöpfungsmustern zu verlernen, wird er wieder durchlässig und präsent.

 

Möchtest du erleben, was es bedeutet, wieder mit deinem Körper zusammenzuarbeiten?

Wenn du körperliche Reaktionen auf Stress, Angst oder Schwere nicht mehr als gegeben hinnehmen möchtest, lade ich dich ein, meine Arbeitsweise in einer Sitzung zu erkunden.

Du bist in meiner Praxis für Körperarbeit in Wien herzlich willkommen. Falls du nicht vor Ort bist oder deine gewohnte Umgebung bevorzugst, biete ich auch Online-Sitzungen an (auf Deutsch, Englisch und Niederländisch).

Melde dich gerne bei Fragen oder verwende das Kontaktformular, um eine Kennenlern-Sitzung mit mir zu vereinbaren. Ich freue mich darauf, dich ein Stück auf deinem Weg zu begleiten.

Herzlich, Susanne



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